Geglückte Flucht von Alcatraz

Am 3.3.13 startete ich bei den aufregendsten und prestigeträchtigsten Triathlon der Welt. Vor dieser Kulisse einen Triathlon zu bestreiten ist etwas sehr besonderes, da werden Zeiten und Platzierungen zweitrangig und es geht nur um das dabei sein, so war es auch bei mir. Trotzdem wollte ich meine bestmögliche Leistung zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison, abrufen.

Im Oktober gewann ich diesen Startplatz, der es mir ermöglichte mich mit nur einer Handvoll anderen deutschen, in die eiskalten Fluten der San Francisco Bay zu stürzen. Dieser Sprung in das 11 - 12 grad kalte Wasser flösste mir im Vorfeld den meisten Respekt ein. Den Worten des Sprechers der Wettkampfbesprechung kann ich nur zustimmen "It's not the moment to be mentally weak, when you jump off the boat".
 
Mit diesem Augenblick sollte man sich im Vorfeld schon auseinandersetzen um dann keine Sekunde zu zögern wenn die Sirene ertönt und innerhalb von 7 Minuten 1700 Athleten vom Boot in das Wasser springen. Der Wettkampftag begann früh, da wir morgens noch die Räder einchecken mussten und dann mit dem Shuttlebus zu Pier 3 gefahren wurden um dort in die San Francisco Belle einzusteigen. Dort angekommen gingen alle Athleten an Board, um dann pünktlich um 6:30 den Hafen zu verlassen. Dann ging es los zur ehemaligen und berühmt berüchtigten Gefängnisinsel Alcatraz.

Nur wenige hundert Meter neben der Insel hielt das Boot und jetzt waren es noch ein paar Minuten bis zum Start, die amerikanische Nationalhymne wurde gespielt und kurz darauf sprangen die Profis ins Wasser, danach dann wir. Ich hielt die Luft an und dachte mir Augen zu und durch. Das eiskalte Wasser war wie ein Schock und auf den ersten hundert Metern blieb einem vor Kälte regelrecht die Luft weg. Ich versuchte einigermaßen einen Rhythmus zu finden und mich so gut es ging zu orientieren. Dabei muss auch die Strömung berücksichtigt werden, die sehr stark zur Golden Gate Bridge zieht.
 
Man schwimmt eigentlich einen Bogen. Der Wellengang war so heftig, dass ich mehrere male eine ordentliche Portion Salzwasser schluckte und auch die Orientierung wurde zunehmend schwerer. Solche Bedingungen hatte ich noch bei keinem Schwimmen erlebt und ich war froh nach knapp 40 Minuten wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.
Jetzt musste ich rennend den Weg zur 800m entfernten Wechselzone zurücklegen, was ich aber schon nach 300m abbrechen musste, da ich einen Krampf im Unterschenkel bekam und die restlichen 500m halb dehnend und halb gehend zurücklegte, was auch meine sensationelle Wechselzeit von 15min in T1 erklärt, für alle Insider, die sich darüber wunderten, was der Kerl so lange gemacht hat ...

Das Umziehen in trockene Klamotten tat das übrige dazu. Die hügelige Radstrecke im Stadtteil Presidio im Schatten der Golden Gate Bridge liess kein Rhythmus zu, da es eigentlich nur hoch oder runter geht. Saftige Anstiege gepaart mit halsbrecherischen Abfahrten und ein fremdes Rad liessen einfach keine bessere Radzeit zu und so stellte ich nach etwas mehr als einer Stunde mein Rad dann ab, um mich, mit immer noch tauben Füssen auf die Laufstrecke zu machen.

Xterra und Trailrunning war das was ich dort erlebt. Treppen hoch, Treppen runter, laufen am Strand, laufen auf Kies, da war einfach alles dabei. Höhepunkt war dabei die berüchtigte Sand Ladder, wo ein paar Holzstangen im Sand lagen, um die 200m vom Strand wieder zur Strasse hoch, zu erklimmen.

Selbst beim normalen hochgehen hatte ich einen Puls von 180, und oben angekommen dann steinharte Waden. 2:50 min brauchte ich für 200m. Die letzten km konnte ich trotzdem noch mal richtig Gas geben und erreichte mit 59 min eine sehr gute Zeit.

Nach einer Gesamtzeit von 2:57 h kam ich bei diesem einmaligen Event glücklich ins Ziel und war froh die Flucht von Alcatraz geschafft zu haben. Ein Teilnehmer kam mir auf der Laufstrecke im Häftlingsoutfit entgegen. Keine Ahnung, ob der auch so geschwommen ist, wenn ja, dann hat er es bewiesen, dass es doch möglich war, von dort zu fliehen.

Michael wir gratulieren dir zu diesen einmaligen Erlebnis und die Erfüllung eines Kindheitstraum und zu dem guten Ergebnis, großartige Leistung -Respekt-. Mehr Eindrücke und Bilder auf Michael's Seite unter http://www.michael-weckerle.de/

aufi